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Longevity ist mehr als jung bleiben. Ein persönlicher Blick auf Älterwerden, Sichtbarkeit von Frauen, Selbstfürsorge und ein langes Leben mit Lebensfreude.

22. Mai
3 Min. Lesezeit
Foto Beate Gradmann im Blumenfeld
Foto Beate Gradmann im Blumenfeld

Im Mai bin ich wieder ein Jahr älter geworden. Diesmal sogar mit dem Eintritt in eine neue Dekade.


Und während ich diesen Satz schreibe, merke ich: Ich bin stolz auf meine gelebten Jahre. Auf Erfahrungen, Umwege, Krisen, Veränderungen und Wachstum.


Und gleichzeitig gibt es da diese kleine Frage im Hinterkopf: Sollte ich mein Alter als Frau vielleicht lieber charmant verschweigen?


Diese Frage sagt wahrscheinlich mehr über unsere Gesellschaft aus als über mein Alter.







Dazu kam in diesem Jahr ein kleiner gesundheitlicher Hänger. Eine kurze Pause. Ein paar Tage zum Durchatmen in Holland.


Zwischen Grachten, Dünen, Wind und Blumen kam mir immer wieder dieselbe Frage in den Sinn:

Warum altern wir eigentlich so entschuldigend?


Alle wollen lange leben. Aber alt sein möchte kaum jemand. Und alt aussehen schon gar nicht.

Longevity und der Wunsch, jung zu bleiben


Longevity ist längst zu einem großen Thema geworden.

Wir sprechen über Ernährung, Bewegung, Schlaf, Regeneration, Supplements, Routinen und darüber, wie wir möglichst lange gesund und leistungsfähig bleiben können.

Daran ist grundsätzlich nichts falsch.


Schwierig wird es für mich dort, wo aus dem Wunsch nach einem langen Leben eine neue Form von Optimierungsdruck entsteht.


Dann klingt Longevity plötzlich nicht mehr nach Lebensqualität, sondern nach einem weiteren Projekt.


Bitte jung bleiben.

Bitte fit bleiben.

Bitte attraktiv bleiben.

Bitte leistungsfähig bleiben.


Und bitte möglichst nicht zeigen, dass sich etwas verändert.


Gerade Frauen erleben einen besonderen Druck


Viele Frauen in den mittleren Lebensjahren kennen dieses Spannungsfeld.


Der Körper verändert sich. Die Energie kann sich verändern. Bedürfnisse verschieben sich. Gleichzeitig bleibt die Erwartung, weiterhin zu funktionieren.


Belastbar sein.

Präsent sein.

Gut aussehen.

Verlässlich bleiben.

Nicht zu müde wirken.

Nicht zu sehr nach Veränderung aussehen.


Altern wird dabei schnell zu etwas, das man möglichst geschickt verstecken soll.


Dabei ist Älterwerden kein persönliches Versagen.


Es ist Leben.


Und trotzdem erleben gerade Frauen häufig, dass Sichtbarkeit sich mit zunehmendem Alter verändert. Die Botschaft ist oft widersprüchlich: Sei erfahren und souverän, aber bitte nicht zu alt. Sei natürlich, aber zeige möglichst wenig Spuren des Älterwerdens.


Das ist ein Druck, über den wir viel mehr sprechen sollten.


Was bedeutet ein langes Leben eigentlich wirklich?


Je mehr ich mich mit dem Thema Longevity beschäftige, desto weniger interessiert mich die Frage, wie man das Älterwerden möglichst lange aufhalten kann.


Mich interessiert eine andere Frage:


Wie möchte ich älter werden?


Für mich bedeutet Longevity nicht, meinem Alter davonzulaufen.


Es bedeutet, möglichst lange in Verbindung zu bleiben.


Mit meinem Körper.

Mit meiner Lebensfreude.

Mit meiner Neugier.

Mit Menschen, die mir guttun.

Mit Dingen, die meinem Leben Sinn geben.


Und auch mit den Momenten, in denen ich merke, dass ich nicht immer stark sein muss.


Vielleicht gehört genau das zu einem langen Leben: zu erkennen, wann Kraft da ist und wann eine Pause gebraucht wird.


Die Natur macht uns etwas vor


In der Natur gibt es diesen Optimierungsdruck nicht.


Pflanzen kämpfen nicht gegen ihr Alter.


Sie wachsen. Sie verändern sich. Sie passen sich an. Sie durchlaufen Jahreszeiten.


Manche Phasen sind üppig und voller Energie. Andere sind ruhiger. Manche Pflanzen ziehen sich zurück, bevor etwas Neues entsteht.


Keine Pflanze entschuldigt sich dafür.


Vielleicht können wir uns davon etwas abschauen.


Denn auch unsere Veränderungen erzählen eine Geschichte.


Eine Falte kann ein sichtbarer Jahresring sein.


Ein Zeichen für Erfahrungen, Freude, Krisen, Lachen, Sorgen, Wachstum und gelebtes Leben.


Vielleicht brauchen wir eine andere Definition von Longevity


Für mich bedeutet Longevity heute nicht möglichst lange jung zu bleiben.


Es bedeutet, möglichst lange lebendig zu bleiben.


Neugierig.

Verbunden.

Interessiert.

Beweglich im Denken.

Aufmerksam für den eigenen Körper.

Und bereit, Veränderungen nicht automatisch als Verlust zu betrachten.


Dazu gehört für mich auch Selbstfürsorge.


Nicht erst dann, wenn nichts mehr geht.


Sondern vorher.


Pausen dürfen Teil eines guten Lebens sein. Veränderungen ebenso. Und auch das Älterwerden darf sichtbar sein.


Vielleicht ist nämlich gar nicht das Älterwerden unser eigentliches Problem.


Vielleicht ist es die Angst davor, dadurch weniger gesehen, weniger gehört oder weniger ernst genommen zu werden.


Gerade als Frau.


Ich wünsche mir eine Vorstellung von Longevity, in der es nicht darum geht, jede Spur des Lebens zu beseitigen.


Sondern darum, möglichst lange ein Leben zu führen, das sich nach dem eigenen anfühlt.


Mit Erfahrung.

Mit Veränderung.

Mit Falten.

Mit Kraft.

Mit Pausen.


Und vor allem mit dem Gefühl:


Ich bin nicht weniger geworden.


Ich bin älter geworden.


Herzlich,










 
 
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